In den frühen 2000er Jahren begannen die Psychologen Marshall Duke und Robyn Fivush an der Emory University eine Frage zu untersuchen, die auf den ersten Blick fast zu einfach wirkte, um wissenschaftlich interessant zu sein: ob sich Kinder, die ihre Familiengeschichten kannten, psychologisch von Kindern unterschieden, die das nicht taten.

Die Befunde waren alles andere als einfach.

Duke und Fivush entwickelten die sogenannte Do You Know?-Skala — ein Instrument zur Messung, wie viel ein Kind über seine Familiengeschichte wusste. Sie stellten Kindern Fragen wie: Weißt du, wo deine Großeltern aufgewachsen sind? Weißt du von einer Zeit, in der deine Eltern etwas schwer Belastendes durchgemacht haben — und wie sie damit umgegangen sind? Kennst du die Geschichte des Familiennamens? Dann maßen sie die Kinder anhand verschiedener psychologischer Kriterien: Selbstwertgefühl, Ängstlichkeit, Kontrollüberzeugung, Resilienz.

Kinder, die auf der Familienwissensskala höher abschnitten, erzielten durchgängig bessere Ergebnisse in jeder dieser Kategorien. Die Effektstärken waren beachtlich — vergleichbar mit den Wirkungen von Therapie bei Kindern mit Angststörungen. Und der Effekt zeigte sich robust über verschiedene Familienstrukturen, soziale Schichten und kulturelle Hintergründe hinweg.

Der Mechanismus, den Duke und Fivush vermuten, ist die narrative Identität. Menschen verstehen sich durch Geschichten — insbesondere durch das Erleben, Teil einer Geschichte zu sein, die vor ihnen begann und nach ihnen weitergehen wird. Kinder, die ihre Familiengeschichte kennen — einschließlich der schwierigen Phasen, der Misserfolge, der Neuanfänge — begreifen sich als Teil von etwas Größerem und Beständigerem als ihre eigenen momentanen Umstände. Wenn es ihnen schlecht geht, haben sie Belege in Form von Familiengeschichte dafür, dass Krisen durchgestanden werden können. Sie sind, in den Worten der Forschenden, verankert.

Die praktische Folgerung ist klar und bedeutsam: Kindern und Enkeln die Familiengeschichten zu erzählen — nicht nur die Erfolge, sondern die Schwierigkeiten und wie man sie überwunden hat — ist eine der Investitionen mit dem größten Ertrag, die Eltern vornehmen können. Sie erfordert keine technischen Hilfsmittel, kein Geld und keine besondere Begabung. Nur die Bereitschaft, ehrlich zu erzählen, woher man kommt und was es gekostet hat, hierher zu gelangen.

Fangen Sie an, bevor es zu spät ist

Jeder Tag ohne Aufnahme ist eine Geschichte, die vielleicht nie erzählt wird. Bewahren Sie noch heute die Stimme Ihrer Familie — ein einziger Anruf genügt.

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