In einem Museum im US-Bundesstaat Illinois beantwortet ein Mann namens Pinchas Gutter Fragen von Besuchern. Er erzählt von seiner Kindheit in Polen, von seiner Familie, von den Jahren des Zweiten Weltkriegs. Er antwortet auf Fragen, die ihm in dieser Form noch nie gestellt wurden — mit Antworten, die konkret, detailreich und emotional lebendig sind. Er ist vierundneunzig Jahre alt. Und er ist, streng genommen, nicht im Raum — aber eine hochauflösende Projektion von ihm ist es, gesteuert von einem KI-System, das mit stundenlangen Zeugenaussagen trainiert wurde.
Pinchas Gutter ist einer von mehreren Holocaustüberlebenden, die am Projekt „Dimensions in Testimony" der USC Shoah Foundation mitgewirkt haben — einem der ambitioniertesten und technisch ausgefeiltesten Vorhaben zur Bewahrung von Lebensgeschichten, die es je gab. Über mehrere Tage hinweg wurden die Überlebenden in einem eigens konzipierten Studio aufgenommen; Tausende von Fragen wurden gestellt, zu allen Aspekten ihres Lebens und ihrer Erfahrungen. Diese Aufnahmen bilden die Grundlage für ein KI-System, das in Echtzeit auf neue Fragen reagieren kann — und dabei so weit wie möglich in den eigenen Worten und mit der eigenen Stimme der Zeitzeugen antwortet.
Das Ziel ist klar benannt: Kinder und Enkel, die nach dem Tod des letzten Überlebenden geboren werden, sollen dennoch die Möglichkeit haben, mit einem von ihnen zu sprechen — eigene Fragen zu stellen und Antworten zu erhalten, die dem nahekommen, was der Überlebende gesagt hätte.
Die Technologie ist nicht vollkommen. Das KI-System kann keine wirklich neuen Informationen erzeugen; es kann nur das neu zusammenfügen, was in den Originalaufnahmen festgehalten wurde. Doch die Aufnahmen sind so umfassend, dass die Reaktionen des Systems für die meisten Besucher überraschend lebendig wirken. Menschen berichten von emotionalen Erlebnissen, die sie nicht erwartet hatten — einem Gefühl echter Gegenwart, das Fotografien und selbst Videoaufnahmen nicht herzustellen vermögen.
Das Prinzip, das dieses Projekt trägt, ist dasselbe, auf dem Heirloom gründet: Der beste Zeitpunkt, eine Geschichte zu bewahren, ist der Moment, in dem der Erzähler noch lebt. Je vollständiger die Aufnahme, desto mehr kann sie in Zukunft bedeuten. Die Technologie wird sich weiterentwickeln. Was sie nicht kann, ist rückwärts durch die Zeit zu greifen und nachzuholen, was versäumt wurde, solange die Person noch da war.
Fangen Sie an, bevor es zu spät ist
Jeder Tag ohne Aufnahme ist eine Geschichte, die vielleicht nie erzählt wird. Bewahren Sie noch heute die Stimme Ihrer Familie — ein einziger Anruf genügt.
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